Ausführlicher Testbericht
Smarte Alltagshilfe oder nur ein teures Spielzeug? Für einen Einstiegspreis von 309 € verspricht Meta eine intelligente KI-Brille im markanten, quadratischen Design. Da ich mittlerweile einige KI-Brillen in der Praxis testen konnte, ordne ich die Meta Fury in diesem Review im direkten Vergleich zur Konkurrenz ein und zeige ungeschönt, wo ihre wahren Stärken und Schwächen im Alltag liegen. Die Brille wurde für diesen Test selbst gekauft.
Akku und Tragekomfort
Die Meta Fury wiegt laut Spezifikationen exakt 59,9g und ist damit zwar schwerer als eine klassische Brille, aber voll im Rahmen für eine vollgepackte AI-Brille. Der Rahmen selbst macht insgesamt einen soliden Eindruck. Der Akku hält laut Hersteller über 8 Stunden durch, was sich in meinem Praxistest auch als realistisch erwiesen hat.
Ein absolutes Highlight war für mich jedoch das mitgelieferte Zubehör: Im Lieferumfang ist ein faltbares Lade-Etui (203g) enthalten, das bis zu 40 Stunden zusätzliche Akkulaufzeit liefert. Ich wusste beim Auspacken gar nicht, dass dieses Inklusive ist und dachte, man müsse es separat erwerben. Das Etui fühlt sich durch einen Kunstleder-Überzug extrem hochwertig an und ist eine sehr positive Überraschung.
Bildeindruck
Hier können wir uns kurz fassen: Wie die meisten reinen AI-Brillen besitzt die Meta Fury kein integriertes Display. Sie setzt stattdessen komplett auf Audio- und Kamera-Feedback in Kombination mit dem Smartphone. Auf der Webseite werden rund sieben verschiedene Modelle angeboten, wovon zwei bis drei mit Transitions®-Gläsern ausgestattet werden können, die sich automatisch den Lichtverhältnissen anpassen. Für Menschen mit Sehschwäche ist die Brille für Korrekturgläser (-12.00 bis +2.25 Dioptrien) geeignet. Ich habe für meinen Test allerdings die Standardgläser genutzt und keine Sehstärke ausprobiert.
Software
Die Brille verbindet sich per Bluetooth 5.3 und Wi-Fi 6 mit dem Smartphone, wo die Meta AI-App läuft. Zudem gibt es 32 GB internen Speicher (für ca. 1.000 Fotos oder 100+ kurze Videos).
- Das Positive: Die Integration von Meta AI bietet enorm viele integrierte Use Cases. Man kann reibungslos Fragen an die KI stellen ("Hey Meta"), die Umgebung analysieren lassen, das "Musik-Match" nutzen oder eine Live-Übersetzung für über 20 Sprachen starten. Im Alltag funktioniert das zuverlässig und gut.
- Das Negative: Die KI wirkt manchmal etwas verwirrt, was die Sprache angeht. In meinem Test kam es ein- oder zweimal vor, dass sie mich plötzlich auf Englisch angesprochen hat und behauptete, sie könne kein Deutsch – nur um im nächsten Moment dann doch wieder fehlerfrei auf Deutsch zu antworten. Ein kleiner Bug, der hin und wieder für Verwirrung sorgt.
Sound
Laut Datenblatt verfügt die Brille über unauffällige Open-Ear-Lautsprecher und ein System aus 6 Mikrofonen, was hervorragende Sprachqualität bei Anrufen und immersives Audio (bis zu 77,55 dB) verspricht. In der Praxis hat mich der Sound absolut überzeugt: Es ist meiner Meinung nach der beste Klang im Vergleich zu allen anderen Brillen, die ich bisher getestet habe. Die Lautsprecher klingen sehr ausgewogen und voluminös. Man bekommt hier zwar keinen extrem tiefen Bass wie bei teuren High-End-Kopfhörern, aber im Gegensatz zur Konkurrenz – die oft sehr dünn oder künstlich bassig klingt – ist der Sound hier wunderbar ausgeglichen. Perfekt, um im Alltag entspannt Hintergrundmusik plätschern zu lassen. Einziges Manko: Sie sind maximal aufgedreht noch verhältnismäßig leise.
Kamera

Die Kamera löst mit 12 Megapixeln auf, besitzt ein 100-Grad-Ultraweitwinkelsichtfeld und macht Fotos in 3.024 x 4.032 Pixeln. Videos können in 3K Ultra HD (30 FPS) oder 1080p (bis 60 FPS) aufgenommen werden. Die Bedienung ist wunderbar intuitiv und leichtgängig (Ein Klick für ein Foto, gedrückt halten für ein Video). Die Kamera arbeitet insgesamt sehr zuverlässig, auch wenn in meinem Test bei einem Video kurzzeitig der Bildstabilisator ausfiel.
Das große Praxis-Problem:
Sobald man sich in einer wirklich lauten Umgebung befindet, wird die Brille zum totalen Blindflug. Da das integrierte Display fehlt, ist man beim Fotografieren und Filmen zu 100 % auf das akustische Feedback (den Auslöse-Ton) angewiesen. Hört man diesen Ton aufgrund des Umgebungslärms nicht mehr, weiß man schlichtweg nicht, ob das Video nun gestartet hat, ob man lang genug gedrückt hat oder ob die Aufnahme bereits wieder gestoppt wurde. Das Fehlen jeglichen visuellen Feedbacks macht die Kamera-Nutzung in lauten Szenarien sehr unangenehm und anstrengend.
Fazit
Die Meta Fury ist ein extrem rundes, wenn auch etwas preisintensives Paket (ab 309€). Sie besticht im Test durch den aktuell besten, ausgewogensten Sound unter den KI-Brillen, eine intuitiv bedienbare Kamera und ein unerwartet hochwertiges Lade-Etui, das die Akkulaufzeit massiv verlängert. Die Aussetzer bei der Sprachauswahl der KI sind verzeihbar. Wer jedoch oft in lauten Umgebungen filmen möchte, muss sich bewusst sein, dass einem durch das fehlende Display hier schlichtweg das entscheidende Feedback fehlt. Für den Alltag als Smart-Erweiterung ist sie dennoch eine absolute Top-Empfehlung.
