Ausführlicher Testbericht
Ich nutze die Rokid AI Glasses jetzt seit einer Woche, also ist es Zeit für einen Testbericht! Da ich schon so einige KI-Brillen testen durfte, weiß ich, glaube ich, wovon ich spreche :). Und genau deshalb starten wir auch direkt mit dem wichtigsten Punkt: der Alltagstauglichkeit. Oh, und übrigens: Ich werde für diesen Testbericht nicht bezahlt. Ich habe mir die Brille selbst gekauft.
Akku und Komfort
Akku leer, Brille schwer? Das war oft meine Erfahrung mit KI-Brillen. Der Akku war meist extrem schnell leer und das Gewicht der Brille zwar nicht unbedingt riesig, aber doch hoch genug, dass ich sie ohne smarte Funktionen nicht tragen wollte. Bei der Rokid ist das glücklicherweise anders. Das liegt an mehreren Punkten: dem Monochrom-Display, einem sehr guten Akkumanagement und praktischen Zusatzakkus, die man jederzeit schnell an der Seite anklippen kann.
Die Brille ist mit 49 g außerdem extrem leicht und wiegt kaum mehr als eine herkömmliche Brille. Ich trage sie momentan etwa 12 bis 14 Stunden am Tag. Ich spüre keinerlei Ermüdungserscheinungen, und wenn die Brille im Standby ist – was sie die meiste Zeit über ist –, hält der Akku sehr lange. Bei kontinuierlicher Nutzung hält er, je nach Anwendung, ebenfalls eine ganze Weile. Aber: Wenn der Akku doch mal leer geht und man die optionalen Zusatzakkus hat, kann man die Brille jederzeit wieder aufladen, ohne sie abnehmen zu müssen. Dank einer Magnethalterung muss man den Akku nur am Bügel entlangführen und er klickt von selbst ein.
Visueller Eindruck
Es handelt sich um ein Monochrom-Display auf beiden Gläsern. Aber so wie ich das verstehe, wird auf beiden Gläsern dasselbe Bild angezeigt. Da der Fokuspunkt recht weit vorne liegt, sorgt das für keinerlei Probleme beim Seheindruck. Es sieht immer noch sehr gut aus und ist super lesbar. Dass alles grün ist, finde ich tatsächlich ziemlich cool. Es fühlt sich an, als würde man vor einem alten Arcade-Automaten sitzen. Irgendwie cool. Cyberpunk-mäßig. Das Sichtfeld ist für so ein Gerät sehr solide. Wenn du unter einer Sehschwäche leidest, solltest du dir unbedingt die optionalen Clip-on-Gläser besorgen. Denn auch wenn man meinen könnte, dass Kurzsichtigkeit hier kein Problem darstellt, weil der Fokus recht nah liegt, ist das ein Irrglaube. Zumindest für mich ist es ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich habe die Gläser aus einer alten Brille herausgedrückt und sie an die Rokid geklebt :D. Das funktioniert auch.
Software
Die Brille verbindet sich mit dem Smartphone, und die rechenintensiven Aufgaben werden auf dem Telefon erledigt, während die Brille zusätzliche Sensoren und ein Display bereitstellt. Das ist eine sinnvolle Kombination, aber durch Bluetooth und das Smartphone natürlich auch etwas fehleranfälliger. Generell läuft es aber stabil, und sobald die Brille einmal verbunden ist, funktioniert die Verbindung hervorragend. Ich hatte nie mit Verbindungsabbrüchen zu kämpfen. Ganz im Gegenteil: Selbst wenn sich die Brille mal ausgeschaltet hat, hat sie sofort wieder korrekt mit dem Smartphone kommuniziert. Allerdings ist die Brille keine Brille mit einem eigenen App-Store. Es gibt zwar einige Widgets und Möglichkeiten für Entwickler, Software zu installieren, aber das ist nicht das Kernstück der Brille und eher für Nerds gedacht. Das finde ich allerdings nicht schlimm. Die Brille hat eben ihre limitierenden Faktoren, und ich finde, dass Rokid selbst bereits sehr gute Anwendungsfälle liefert: Teleprompter, Live-Übersetzung und Navigation! Das sind auch genau die Einsatzzwecke, für die ich mir so eine Brille kaufe. Ich möchte keine AR-Welt im Raum platzieren und um sie herumgehen. Das ist zwar technisch beeindruckend, aber meiner Meinung nach bei der aktuellen Technologie nicht der richtige Einsatzzweck für eine Brille in diesem Formfaktor.
Sound
Den Sound finde ich vergleichsweise gut. Er klingt beispielsweise besser als bei meiner alten Bose AI Glasses und genauso gut wie bei der RayNeo X3. Wer zu lauter Musik mit starkem Bass abrocken will, sollte definitiv zu Kopfhörern greifen. Aber ich nutze sie tatsächlich täglich als Kopfhörer-Ersatz, um Musik zu hören. Wenn die Lautstärke auf mittlere Stufe eingestellt ist, fühlt sich der Sound extrem natürlich an. Oft wusste ich gar nicht, ob der Ton aus dem Smartphone, der Brille oder direkt aus meinem Kopf kam :D.
Kamera
Die Kamera ist gut. Das Coole ist, dass sie immer einsatzbereit ist, und ich habe damit schon spontane Schnappschüsse gemacht, die ich mit dem Smartphone niemals hätte machen können oder wollen. Aber: Die Qualität ist eben nur okay. Der Weitwinkel und die Qualität bei Nacht sind zwar beeindruckend, aber generell fehlt es den Fotos etwas an Details. Selbst scharfe Fotos wirken bei genauerem Hinsehen also nicht absolut knackscharf. Bei Aufnahmen von Innenräumen oder Landschaften ist das völlig egal. Die Schwächen werden eher sichtbar, wenn man Personen fotografiert.
Fazit
Ich habe die Brille nun seit einer Woche und muss sagen: Sie ist ein echter Alltagsbegleiter. Das hat bisher noch keine KI-Brille bei mir geschafft. Gerade bin ich auf dem Weg nach Südkorea und bin gespannt, wie sich die Live-Übersetzung im echten Alltag schlägt. Ich würde die Brille wieder kaufen und empfehle sie aktuell jedem, der nach einer smarten Erweiterung sucht.
