Ausführlicher Testbericht
Für einen ähnlichen Preis bringt Oakley mit der HSTN eine intelligente Brille auf den Markt, die technisch sehr an die neuere Meta Fury erinnert. Die Spezifikationen beider Modelle sind auf dem Papier absolut identisch. In meinem Alltagstest wollte ich jedoch herausfinden, ob die Brillen wirklich exakt gleich performen oder ob es versteckte Unterschiede gibt. Die Brille wurde für diesen Bericht selbst gekauft.
Akku und Tragekomfort
Das Gewicht der Oakley HSTN liegt im typischen Rahmen für smarte Wearables und der Rahmen selbst sitzt angenehm und solide. Die Akkulaufzeit von über acht Stunden aus dem Datenblatt hat sich in der Praxis als sehr realistisch erwiesen. Ein deutlicher Unterschied zur Meta Fury zeigt sich allerdings beim mitgelieferten Ladeetui. Zwar liefert auch das Case der Oakley zusätzliche Akkulaufzeit für unterwegs, aber die Verarbeitung fällt qualitativ spürbar ab. Das Material wirkt eher so, als stamme es aus einem heimischen 3D Drucker. Zudem lässt sich die Brille bei der Oakley Variante etwas fummeliger einsetzen und wieder entnehmen. Hier hat das neuere Meta Modell mit seiner schicken Kunstlederoptik und dem besseren Handling klar die Nase vorn.
Bildeindruck
Wie bei den meisten reinen KI Brillen gibt es auch bei der Oakley HSTN kein eingebautes Display. Die Interaktion läuft vollständig über akustische Signale, die verbaute Kamera und das verbundene Smartphone. Oakley bietet verschiedene Designvarianten an und wer eine Sehhilfe benötigt, kann auch hier entsprechende Korrekturgläser anfertigen lassen. Für meinen Testbericht habe ich die Standardgläser ohne Stärke verwendet.
Software
Die Verbindung zum Smartphone klappt über Bluetooth 5.3 und WiFi 6 völlig reibungslos. Dort läuft die Meta AI App, welche auch die 32 GB internen Speicher verwaltet. Dieser Platz reicht für grob 1000 Fotos oder etliche kurze Videos. Die Meta KI bietet tolle Funktionen für den Alltag. Man kann Fragen stellen, Dinge in der Umgebung analysieren lassen oder Übersetzungen anfordern. Meistens funktioniert das hervorragend. Gelegentlich ist die KI jedoch leicht verwirrt bezüglich der Sprache. Manchmal antwortet sie plötzlich auf Englisch und behauptet, kein Deutsch zu verstehen, um im nächsten Satz dann doch wieder fehlerfrei auf Deutsch zu plaudern. Ein kleiner Fehler, der hin und wieder für Verwunderung sorgt.
Sound
Beim Klang zeigen sich klare Unterschiede zur Meta Fury. Die Oakley HSTN liefert zwar einen guten Sound, der mir persönlich besser gefällt als beispielsweise bei den Rokid AI Glasses. Allerdings reicht die Qualität nicht ganz an das neuere Modell heran. Eventuell durch die leicht abweichende Bauform bedingt, werden die Höhen manchmal etwas seltsam wiedergegeben. Ein weiteres Problem liegt anscheinend bei der Software. Gelegentlich justiert diese den Equalizer irgendwie merkwürdig nach, was zu Unstimmigkeiten bei den Frequenzen führt. Das passiert glücklicherweise nicht dauernd, fällt aber im direkten Vergleich definitiv auf. Für angenehme Hintergrundmusik im Alltag reicht die Leistung dennoch gut aus.
Kamera
Die Kameraausstattung liest sich mit 12 Megapixeln, einem extremen Weitwinkel und 3K Videoaufnahmen zwar komplett identisch zur Meta Fury, aber in meinem Test zeigen sich dann doch feine Unterschiede. Obwohl die Einstellungen in der App exakt gleich sind, liefert die Kamera der Oakley HSTN die etwas besseren Farben und eine leicht höhere Helligkeit bei den Aufnahmen. Die Bedienung per Knopfdruck oder Gedrückthalten am Bügel funktioniert erfreulich intuitiv. Fotos und Videos gelingen im Alltag ordentlich und profitieren spürbar von dieser besseren Farbabstimmung. Das große Problem beider Brillen bleibt jedoch die Nutzung in lauten Umgebungen. Da ein Display fehlt, ist man zwingend auf den Auslöseton angewiesen. Überhört man diesen Ton wegen viel Umgebungslärm, gerät die Aufnahme zum absoluten Blindflug. Man weiß dann einfach nicht, ob ein Video gestartet wurde, ob man den Knopf lang genug berührt hat oder ob die Aufnahme schon wieder beendet ist. Das macht das Filmen in belebten Situationen sehr anstrengend.
Fazit
Die Oakley HSTN ist eine potente smarte Brille mit einer tollen Integration der Meta KI. Technisch steht sie der Meta Fury auf dem Papier in nichts nach und bei der Bildqualität kann sie durch bessere Farben und höhere Helligkeit sogar leicht punkten. Im direkten Vergleich zeigen sich jedoch auch Schwächen. Das Ladeetui der Oakley wirkt leider ziemlich billig und der Sound leidet unter gelegentlichen Softwareaussetzern sowie etwas schwächeren Höhen. Wer auf das Premium Etui und den runderen Klang der Meta Fury verzichten kann und stattdessen etwas mehr Wert auf lebendigere Fotos legt, bekommt hier ein ordentliches Gerät. Das fehlende visuelle Feedback bei Aufnahmen in lauten Umgebungen bleibt jedoch auch bei diesem Modell ein großer Kritikpunkt im Alltag.